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NRW-NORDRHEIN-WESTFALEN
Donnerstag, 13. Juni 2002

Unveröffentlichte Studie des Bildungsministeriums

Schulen droht dramatischer Lehrermangel

Allein in den Klassen 5 bis 10 fehlen bis zum Jahr 2008 mehr als 9000 Pädagogen / Zahlreiche „Mangelfächer"

Von Marco Finetti


Düsseldorf – In Nordrhein-Westfalen droht bereits in den nächsten Jahren ein akuter Lehrermangel. Dies geht aus einer internen Bestandsaufnahme des Bildungsministeriums hervor, die der Süddeutschen Zeitung vorliegt. In der Studie mit dem Titel „Lehrereinstellungsbedarf und Lehrereinstellungsangebot in NRW„ heißt es wörtlich: „Der in der Vergangenheit bereits prognostizierte Mangel auf dem Lehrerarbeitsmarkt tritt nicht nur früher ein, er fällt auch deutlicher aus als bisher erwartet."

Für die Sekundarstufe I an den allgemein bildenden Schulen und vor allem für die Hauptschulen sowie für die Sekundarstufe II an den berufsbildenden Schulen stellt die Studie ein deutliches Missverhältnis zwischen zu besetzenden Stellen und Bewerbern fest. Besonders dramatisch ist die Situation in den Klassen 5 bis 10. Hier müssten bis zum Jahr 2008 über alle Schulformen hinweg 13900 Lehrer neu eingestellt werden. Tatsächlich stehen jedoch nur 4700 qualifizierte Junglehrer zur Verfügung. Damit zeichne sich „eine erhebliche Unterdeckung von rund 9200 Lehrkräften" ab, warnt die Studie. Allein bis 2005 fehlten bereits etwa 6500 Pädagogen.

Eine „ähnlich schwierige Situation" droht in der Sekundarstufe II der berufsbildenden Schulen. Hier können bis 2008 von etwa 9300 offenen Stellen lediglich 2800 mit entsprechend ausgebildeten Bewerbern besetzt werden. Somit fehlten auch hier etwa 6500 Lehrer.

Von den Unterrichtsfächern sind vor allem Informatik, Mathematik, Physik und Technik, aber auch Englisch, Religion, Sport, Kunst und Sozialwissenschaften betroffen; diese Fächer werden in der Studie allesamt als „Mangelfächer" bezeichnet.

Das Bildungsministerium bestätigte das Papier. „Das Problem des drohenden Lehrermangels ist allerdings schon seit langem bekannt und trifft alle Bundesländer", sagte Ministeriumssprecher Ralph Fleischhauer der SZ. Die genannten Zahlen bezeichnete Fleischhauer als teilweise „irreführend". Sie berücksichtigten beispielsweise nicht, dass die offenen Stellen in der Sekundarstufe I auch mit höher qualifizierten Lehramtsabsolventen der Sekundarstufe II besetzt werden könnten. Selbst dann würden jedoch bis 2008 in der Sekundarstufe I insgesamt 2200 Lehrer fehlen. Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) äußerte angesichts der Zahlen heftige Kritik an der Landsregierung. „Ihre verfehlte Personalpolitik ist für den Mangel verantwortlich", sagte der VBE-Landesvorsitzende Udo Beckmann. Bei der Bezahlung und Beförderung der Lehrer sowie beim Unterrichtspensum bestünden „krasse Unterschiede" zwischen den Schulformen, die sich vor allem für die Hauptschulen negativ auswirkten. „Dem Lehrermangel am Gymnasium hat die Landesregierung schnell abgeholfen, indem sie die Eingangsbesoldung angehoben hat. Ob die Schüler an den anderen Schulformen ausreichend mit Lehrkräften versorgt werden, scheint ihr hingegen egal zu sein", sagte Beckmann. Das Bildungsministerium wies die Kritik zurück. Die Lehrerbesoldung werde auf Bundesebene festgelegt; kein Land bezahle Hauptschullehrer genauso gut wie Gymnasiallehrer.

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