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Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ), 7. 11. 2001

Studiengebühren
Lernen, was das Konto hergibt

Gebührenmodell: Hohes Tempo lohnt

Von Christopher Onkelbach

WAZ Düsseldorf.
Der aktuelle Stand des Studienkontos wird auf der Chipkarte des Studenten gespeichert. Drehkreuze vor dem Hörsaal zur Kontrolle des Guthabens seien indes nicht geplant, sagte NRW-Wissenschaftsministerin Behler.

Gebühren vom ersten Semester an lehnt die Ministerin ab. Dies würde dafür sorgen, dass die Zahl der Studierenden in Zukunft sinkt. Das wäre politisch ein falsches Signal, sagte sie, denn Deutschland brauche nicht weniger, sondern mehr Hochschul-Absolventen. Wir wollen der Debatte mit unserem Modell eine neue Richtung geben.

Wir, das ist das SPD-Duo Behler-Zöllner. Jürgen Zöllner, Wissenschaftsminister in Rheinland-Pfalz, hatte die Studienkonten-Idee schon vor Jahren ins Gespräch gebracht. Nach Kritik von allen Seiten war es darum still geworden. Jetzt hoben sie es gemeinsam wieder aus der Versenkung und wollen es parallel einführen. Auch Langzeitgebühren, wie sie in Baden-Württemberg erhoben werden - das Saarland und Niedersachsen wollen dem Beispiel folgen - seien falsch: Zwar sind auch mir Studienzeiten von zwölf bis 14 Semestern zu lang, aber wir brauchen kein Strafsystem, sondern eine intelligente Steuerung, die auf unterschiedliche Gruppen Rücksicht nimmt, sagte Behler. Ein Werkzeug der intelligenten Steuerung von Studienzeiten- und finanzierung sind demnach Studienkonten.

Die Eckpunkte: Jeder Studierende erhält ein Studienkonto, auf dem - je nach Fach - eine bestimmte Zahl von Semesterwochenstunden verbucht sind. Dieses Konto kann der Student verbrauchen, ohne dafür Gebühren zahlen zu müssen. Ist dieses Konto beim Examen noch nicht auf null, kann der Student den Rest spätestens bis zum 45. Lebensjahr für ein Zweitstudium oder für eine Fortbildung an einer Hochschule einlösen. Mit dieser Bonus-Regelung sollen Turbo-Studenten belohnt werden.

Verrechnungseinheit sollen Semesterwochenstunden sein. Bei einem achtsemestrigen Diplomstudiengang sind es beispielsweise 160 Stunden. Hinzu kommt eine Toleranz von 20 Prozent. Damit blieben diesem Studenten insgesamt 192 kostenfreie Semesterwochenstunden bis zum Examen. Er muss innerhalb der doppelten Regelstudienzeit fertig werden, in diesem Fall also innerhalb von 16 Semestern. Damit soll eine gewisse Flexibilität bei der Gestaltung des Studiums gewährleistet sein. Innerhalb der Regelstudienzeit darf der Student sein Konto kostenlos überziehen. Wer also aus Interesse auch in andere Fächer reinschnuppert, soll dies dürfen. Wir wollen Studenten, die sich besonders breit bilden, nicht bestrafen, sagte Behler.

Ministerin Behler will mit diesem Modell auch die Finanzierung der Hochschulen stärker an die Nachfrage koppeln. Eine Hochschule habe um so größere finanzielle Vorteile, je mehr Studierende bei ihr das Guthaben einlösen, führte Behler aus. Das soll die Universitäten dazu bringen, ihr Studienangebot zu verbessern. Anreize für Nachfrageorientierung und Wettbewerb unter den Hochschulen, nannte sie dies.

Ein Struktur-Problem scheint jedoch noch nicht gelöst: Wenn besonders viele junge Leute an eine bestimmte Uni drängen, weil dort das Angebot so anziehend ist, greift bisher noch die ZVS ein und verteilt die Studenten um.


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