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Gründe für die geringe Resonanz bei 'Schule 21'

Es wird derzeit einiges an Druckerschwärze eingesetzt, um einen Schuldigen für das Nichterreichen der gesteckten Ziele im Bezug auf das Modellvorhaben Schule 21 zu präsentieren. In ganz NRW sind es lediglich 411 Schulen, die Interesse an einer (eventuellen) Teilnahme bekundet haben (wobei zu klären bliebe, ob dies auch überall durch Beschlüsse von Mitwirkungsorganen gestützt wurde); im Regierungsbezirk Düsseldorf sind es zum Stichtag 15. 11. 01 bloß 97 Schulen, nahezu ausschließlich in den großen Städten. In Duisburg sind es 21 Schulen; darunter auch eine Realschule, die erst im August 2002 den Betrieb aufnimmt (da wurde offensichtlich schon mal für die Betroffenen mitgedacht und mitentschieden.

Ursache und Sündenbock für diese recht bescheidenen Ergebnisse soll vor allem die GEW sein, weil sie sich als eine von mehreren Lehrerorganisationen die Unverschämtheit leistet, nicht hinter jedem Projekt aus dem Behler-Haus mit wehenden Fahnen hinterher zu laufen.

So sympathisch der Gedanke aus GEW-Sicht sicher ist, für unsere bildungspolitischen Vorstellungen derart wirkungsvoll Gehör und Zustimmung zu finden, ist die Gewerkschaft doch realistisch genug - wie viele andere auch - zu erkennen, dass für die fehlende Resonanz von 'Schule 21' die Ursachen ganz woanders zu suchen sind.


Wie wäre es mit folgenden Aspekten?

  • Das Modellvorhaben ist ein unter nicht nachvollziehbarem Zeitdruck von "oben" aufgestülptes Projekt, pädagogische Zielsetzungen muss man mit der Lupe suchen, es ist eher eine reine Verwaltungsreform, die nichts zu tun hat mit der von vielen Lehrerinnen und Lehrern seit langem gewünschten größeren pädagogischen Selbstständigkeit an ihrem Arbeitsplatz Schule.
  • Es reicht nicht, Projekte mit Begriffen wie "Autonomie" und "Selbstständigkeit" zu frisieren, wenn bei näherer Betrachtung schnell erkennbar ist, dass sich dahinter für die Beschäftigten das direkte Gegenteil verbirgt.
  • Die mit dem Modellvorhaben verbundene beachtliche Mehrarbeit ist angesichts der in den letzten Jahren spürbar gestiegenen Verdichtung der Arbeitsintensität wie der psychischen Beanspruchung einfach nicht mehr hinnehmbar, wenn man nicht weiteren Raubbau an der eigenen Gesundheit betreiben will.
  • Für die Kollegien ist überhaupt nicht abschätzbar, auf was sie sich einlassen. Es gibt zu viele Fragen, auf die keine befriedigende Antwort zu erhalten ist. Der zwischen der Bertelsmann-Stiftung und dem MSWF geschlossene Kooperationsvertrag ist immer noch nicht öffentlich zugänglich gemacht worden. Warum eigentlich nicht?

  • Die Situation ist vergleichbar mit der Aufforderung, Blankoschecks auszustellen, bei denen die Beträge nachträglich von der Seite eingesetzt werden, die wir in den vergangenen Jahren sehr gut kennen gelernt haben.
  • Für die Arbeit als Lehrerin/Lehrer hat man sich seinerzeit bewusst entschieden. Hätte man/frau die berufliche Erfüllung in der Ausübung von Verwaltungstätigkeiten gesehen, wäre man nicht Pädagog(e)in geworden.
  • Nur eine geringe Anzahl von Schulträgern aus Kreisen und kreisfreien Städten hat überhaupt Interesse an der Teilnahme von Schulen am Modellvorhaben. Von daher ist es geradezu lachhaft, dafür die GEW verantwortlich zu machen. In wie vielen Orten sind es in den Gremien sogar die eigenen Leute aus den die Landesregierung tragenden Parteien, bei denen sich aus guten Gründen die Begeisterung nicht so recht einstellen wollte.
Mit nur 411 Schulen (Stand November 2001), die bereit waren, sich ggf. auf dieses Abenteuer einzulassen, haben sich die Hoffnungen des MSWF alles andere als erfüllt, dennoch soll offensichtlich an der eingeschlagenen Marschroute festgehalten werden. Ein Eingeständnis, an der Interessenlage der Beschäftigten vorbei geplant und entschieden zu haben, ist angesichts der ab 2002/03 kommenden immensen Verschlechterungen (Stichwort "Bandbreitenmodell") aus dem Ministerium nicht zu erwarten.

Die Schulen, die vorgeben, ja nur ein "Anfangsinteresse" bekundet zu haben, dürften so einfach nicht mehr aus dem Verfahren heraus kommen. Schon wird der Duisburger Schul-Dezernent in den Zeitungen zitiert, die Teilnahmeschulen seien
"privilegiert" und erhielten besondere Zuwendungen. Es wird daher von Bedeutung sein, von den politisch Verantwortlichen einzufordern, die Gleichheit der Schulen, was z. B. Unterhalt und Ausstattung betrifft, zu beachten.


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