Schüler sollen ans Clauberg dürfen


Rund 100 Schüler, Eltern und Lehrer kamen zum Rathaus, um für den Erhalt des Clauberg-Gymnasiums zu demonstrieren. (Foto: Foltin)

SCHULAUSSCHUSS / Lautstarke Proteste, lange Diskussion: Am Ende standen alle Fraktionen hinter dem Hamborner Gymnasium. Auftrag an OB zu Verhandlungen mit der Bezirksregierung.

Erst ein langer politischer Streit, dann eine große Einigkeit: Der Schulausschuss zeigte gestern in seiner Sondersitzung zur Lage am Clauberg-Gymnasium in Hamborn zwei Gesichter. Schuldezernent Karl Janssen hatte zunächst mitgeteilt, dass nach der Weisung, Bezirksregierung, am Clauberg keine neuen Eingangsklassen zu bilden, die Schüler an vier anderen Gymansien aufgenommen werden könnten, darunter mittlerweile auch am Kopernikus-Gymnasium in Walsum. Der Ausschuss habe keine juristische Handhabe, bei 39 Anmeldungen die Einrichtung von zwei Klassen durchzusetzen. Nur darum gehe es, nicht um die Frage einer Schließung.

Hartmut Pietsch (SPD) beharrte dagegen auf der Position, der Ausschuss solle sich nichts vorschreiben lassen. Die Bildung von zwei kleinen Eingangsklassen sei erlaubt, OB Sauerland solle mit der Bezirksregierung über diese Lösung verhandeln.

Petra Vogt (CDU) und Ingrid Fitzek (Grüne) betonten, dass es die Bezirksregierung sei, die zu entscheiden habe. Jürgen Busche (Linke) attackierte Dezernent Janssen heftig und warf ihm mangelnden Willen zum Erhalt von Clauberg vor.

Beschlossen wurde an Ende von allen Fraktionen, dass man das Clauberg erhalten will und dass nun der OB per Verhandlungen mit Düsseldorf für die Aufnahme der angemeldeten Schüler sorgen soll. Eine große Demonstrantengruppe begleitete die Sitzung. (ama)

NRZ 31.03.2006

 

Jetzt soll Sauerland es richten


Bunter und lautstarker Protest von Schülern, Eltern und Lehrern des Clauberg-Gymnasiums vor und im Rathaus, wo der Schulausschuss tagte. Foto: WAZ, Eickershoff

Schulausschuss diskutierte über das Clauberg-Gymnasium und forderte den Oberbürgermeister auf, eine Lösung auf dem Verhandlungsweg zu suchen. Turbulente Sitzung begann mit Feueralarm und endete mit Übereinkunft

Juristisch ist die Sachlage wohl eindeutig: Gegen die Anweisung der Schulaufsichtsbehörde in Düsseldorf, am Clauberg-Gymnasium keine Eingangsklassen zu bilden, weil es nur 39 statt erforderlicher 52 Anmeldungen gab, kann der Schulausschuss nichts machen. Am Ende einer turbulenten Sondersitzung im Rathaus stand jedoch ein einstimmig verabschiedeter Antrag. Danach soll der Oberbürgermeister "im Rahmen seiner rechtlichen Möglichkeiten" mit der Bezirksregierung darüber verhandeln, ob die 39 Schüler als Ausnahmeregelung doch am Clauberg-Gymnasium aufgenommen werden können.

Nach so viel Gemeinsamkeit sah es lange Zeit nicht aus. Zunächst verhinderte ein Feueralarm den pünktlichen Beginn der Sitzung. Vermutlich ausgelöst durch ein Plakat in der Nähe eines Melders auf der Zuschauertribüne, das in eine Lichtschranke geriet. Dann debattierte der Ausschuss lange über die Frage, ob die restlichen ca. 20 Schüler, die keinen Platz auf den Zuschauertribünen gefunden hatten und im Flur die über Lautsprecher übertragene Debatte verfolgten, im Saal bei den Politikern Platz nehmen dürften oder nicht. Dezernent Janssen hatte dies mit Hinweis auf sein Hausrecht untersagt. Die Schüler ertrugen diese Debatte äußerst diszipliniert.

Schuldezernent Janssen machte schließlich deutlich, dass die rechtliche Prüfung keine andere Möglichkeit ergeben habe als der Anweisung der Schulaufsicht zu folgen. "Die Frage, ob die Schule aufgelöst wird oder nicht, steht hier und heute nicht zur Debatte." Dies sei Sache der Schulentwicklungsplanung. Die Schulaufsicht habe lediglich eine "Empfehlung" ausgesprochen. "Dieser Empfehlung ist die Verwaltung nicht gefolgt".

Volker Thierfeld hatte als Vertreter der Elternschaft des Gymnasiums Rederecht im Ausschuss bekommen und die Notwendigkeit des Erhalts der Schule unterstrichen. Mittlerweile seien 2500 Unterschriften gesammelt worden und zahlreiche Solidaritätsadressen eingegangen.

Die SPD war mit dem Antrag in den Ausschuss gegangen, der am Ende mit einigen Abänderungen einstimmig verabschiedet wurde. "Technisch ist es kein Problem, zwei Klassen mit 18 Schülern einzurichten," so Dr. Hartmut Pietsch. Einig war sich der Ausschuss, dass die Zukunft des Clauberg-Gymnasiums Bestandteil der Schulentwicklungsplanung sein wird.

WAZ 31.03.2006 Von Alfons Winterseel